BERLINER BAUAKADEMIE 2013

Die neuen Arbeiten von 2013 für das Ausstellungsprojekt Berliner Bauakademie im April 2013 auf dem Schinkelplatz 1 in Berlin gegenüber dem Schloss, es ist geplant dort im „Roten Saal“, dem innen liegenden Musterraum ca 20 Werke zu zeigen. Einige Bilder sind vorab hier schon zu sehen. Dieser Musterraum wird im Laufe des Jahres wahrscheinlich durch eine gigantische Baugrube ersetzt, um den Wiederaufbau der Bauakademie zu starten. Somit wird es eine der wenigen Ausstellungen an diesem Ort sein, wo das Mustergebäude seit nunmehr 8 Jahren auf den Wiederaufbau wartet. Zwischen den Gerüststangen des Planengebäudes wachsen schon Robinien, ein Spontanbewuchs der für Berlin typisch ist.

Möglich gemacht wird diese Ausstellung durch die Firma AF-Fix ADXXL Potsdam, welche auch den Planendruck übernimmt.

Die Arbeiten versuchen, ein wenig eine Brücke zwischen der Historie des Ortes, der transzendierten Präsenz Karl Friedrich Schinkels, und der heutigen, durch die letzten Umwälzungen ständig im Aufgeschobenen befindlichen Berlin-Architektur zu schaffen; denn die interessantesten Bilder von Berlin waren und sind ja nicht die fertigen Architekturen, sondern die Zwischenstadien; das im Werden befindliche.
Die Architektur des Zufälligen, Sinnfreien und Merkwürdigen ist gerade das, was diese Stadt anziehend macht. Es sei gewarnt: in dem Moment, wo die Stadt fertig ist, wird sie uninteressant.
Aber ausserhalb der Architektur geht es natürlich um die Zeitfrage und des weiteren um die Informationsfrage, ob die gealterte Oberfläche nicht die informationsreichere als die renovierte ist. So wird der Versuch gemacht, durch ein Grossplakat genau dieses Antagonistenpaar an einem Ort darzustellen, welcher in 20 Jahren möglicherweise zu aufgeräumt aussieht.

Information in einer vielgestaltigen Oberfläche ist genau genommen der höherstehende Zustand der Zivilisation, wenn man die Quantität der Information als Gradmesser einer hochstehenden Kultur begreift. Die Bibliothek von Athen hatte 64000 Bände, die British Library gewiss mehr; so könnte man als Analogie behaupten, die vielfarbigen Flächen eines alten Hauses in Rom Trastevere haben eine grössere Gesamtinformation als eine glattverputzte Fläche. Die Unordnung ist demnach nicht nur Unsortiertheit, sondern auch Vielschichtigkeit, was in der Unordnung eines Regenwaldes ersichtlich wird. Die Artenvielfalt ist im Regenwald am grössten, so ist auch die Gedankenvielfalt im Ungeordneten am grössten. Ein nicht zu hundert Prozent geplanter Bau, sondern eine natürlich gewachsene kleinteilige Struktur ist unter Umständen die zivilisatorisch komplexere.

Mit dem Manierismus eklektizistischer Formen wird ein Teilbereich der Postmoderne über den Punkt hinausgeführt, ein Nebeneinander von zitierten Stilen zu bilden. Ausgehend von der Definition der „Doppelkodierung“ als entscheidendes Charakteristikum postmoderner Bauten, in der durch eine Kombination aus historisierenden und modernen Formen, regionalen und internationalen Bezügen unterschiedliche Benutzerschichten angesprochen werden sollten, werden hier wieder theoretisch homogenere Idealbilder zitiert. Für J.-F. Lyotard, der das Thema 1979 philosophisch ausarbeitete (1982 dt. „Das postmoderne Wissen“), beschreibt Postmoderne einen geistigen Zustand der Gegenwart nach dem Scheitern der großen Utopien. Hier hingegen ist unausgesprochen eine ehemalige, scheinbar aus der Vormoderne kommende Utopie als Kulisse vorausgesetzt. Dieses Architekturcapriccio verweist somit auf die Gleichzeitigkeit bestimmter pseudohistorischer Ereignisse, die eine Hinterfragung ihrer stilistischen Herkunft darstellen, da sie Anachronismen beinhalten. Es gibt zeitliche Widersprüche in den Arbeiten, die auf eine Realität jenseits der Utopien hinweist, aber dennoch eine scheinbare Ideale Stadt als Ausgangspunkt nehmen.

Die Unbeantwortbarkeit der Frage nach der Kausalität bestimmter architektonischer Hinterlassenschaften mündet somit in die Forderung Adornos in der „Ästhetischen Theorie“, dass das Kunstwerk immer Rätsel produziert, die es nicht auflöst: „Die Unbestimmtheitszone zwischen dem Unerreichbaren und dem Realisierten macht ihr Rätsel aus.“

Die Vertauschung von Innen- und Außenraum, die Schaffung des Gefühls der Temperatur, die Isoliertheit der Darstellung durch das Fehlen aller beweglicher Dinge und die Antagonistenpaare homogene und heterogene Oberflächen, Ruhe der Architektur und Bewegung der Perspektive, Angst einflössende dunkle Ecken und belichtete Inseln der Ruhe, erzeugen einerseits einen starken perspektivischen Sog. Andererseits wird durch die eher in Grisaille gehaltene Einheitlichkeit eine Reduzierung
auf die Begriffspaare Fiktion und Realität, Erinnerung und Gegenwart sowie Leben und Tod erreicht.

Ein weiteres Thema der Arbeiten kommt aus der ästhetischen Raumtheorie, die sich ja nicht mehr nur mit Fassade und Innenraum beschäftigt, also dem reinen Außen und Innen der klassischen Architekturtheorie, sondern verstärkt mit der Wahrnehmung von Atmosphären. Zur Atmosphäre gehört eben auch die Positionierung im Stadtraum, das Licht, die Beziehung zu anderen Formen in der Umgebung, die durch Schatten und Spiegelungen in Fenstern angedeutet werden.
Die teilweise melancholischen, isolierten, bedrohlichen und manchmal auch romantischen Stimmungen oder Atmosphären knüpfen an die Ideen der Moderne an mit der gleichzeitigen Forderung, ein Projekt der Symbiose der Zeitalter weiterzuführen.


Schinkelplatz 1


Kowloon Walled City


Lawrence Weischer Avenue


Many coloured objects placed side by side


Dekonstruktion mit Kohaerenz


Blackhole Canyon

Erstveröffentlichung dieses Beitrages 13. Februar 2013

ARBEITEN 2012

Einige neue Ansätze von Arbeiten Stefan Hoenerlohs: (alle Werke 2011-13)

Was natürlich sein soll, muss zur Hälfte zerfallen sein. Dies erzeugt Resonanz im archaischen Gedächtnis.

Im Zerfall liegt Information verborgen. Die Informationsdichte (hohe Kultur) ist am höchsten in den Zwischenzuständen, denn das Neue ist informationsarm, aber handlungsfunktional, das Alte informationsreich aber handlungsdysfunktional. Im Überlappungsbereich des patinierten, aber dennoch der Entropie noch Widerstand leistenden Zustandes ist die Information am höchsten, ergo am Zivilisiertesten.

Die Informationszunahme oder Reduzierung durch Kleinstrukturen oder Nebel kanalisiert die Frage nach der Information. Zusätzlich verklammern die technischen Relikte menschlichen Tuns die Orte mit Menschen, ohne sie zu zeigen. Denn die Erscheinung des Menschen selbst ist irrelevant in einem Modell, welches sich über Jahrhunderte zieht.

Das Schaffen einer verlangsamten imaginären autonomen Kunstgeschichte ist der Verweis auf die Zeit, welche schneller vergeht als der Mensch begreifen kann. Sein Gehirn wächst langsamer als die Zivilisation und hinterlässt ihn in steigender Verwirrung, was wohl auch die Kunst nicht aufhalten kann, da sie alle Grenzerfahrungen beschritten hat und an Relevanz seit der Jahrtausendwende einbüsst. Der Satz von Bruce Naumann von 1967
„The true Artist helps the world by revealing mystic truths“ hätte heute wohl auch noch Berechtigung, wenn es denn noch Kunst gäbe, aber wie sagte Gary Hill in der Wirtschaftswoche vom 30.9.2007 : „Man sieht kaum mehr Kunst von Künstlern, sondern Strategie von Strategen“.

Nähern wir uns also der Strategie des Jahres 2018 an und versuchen einen Diskurs durch Anachronismen.


Sum over Histories, Nacht 446 b

Diese Arbeit von 2011 bezieht sich auf die Nightvision-Bilder von Thomas Ruff (1991) mit einer Vertauschung von Ort und Handlung, damals direkt nach dem Irak-Krieg, allerdings hier mit fiktionaler Architektur, die somit in den Zusammenhang einer tatsächlichen Welt gerückt wird. Der ehemals komplett entrückte Ort wird somit in einen Anachronismus gezwängt der im stationären auch noch scheinbare Bewegung und Handlung simuliert.


Mysteries of Roden Crater

Da es unzulässig ist, zur Beschreibung dieser Welt nur einen ausgewählten Bereich darzustellen, muss auch das störende integriert werden. Die mysteriösen Streifen sind sozusagen Teil der uns umgebenden Welt und Bewegungssymbol, aber der Titel stellt einen Bezug zur Lichtinstallation von James Turell her, was eine neuerliche Frage der Verortung aufwirft.


Nightshot of White Cube Gallery, Hackney, Novosibirsk

Mehrfache Irritation – Blick durch eine Null-Lux-Kamera, die eindeutig aus der jetzt-Zeit stammt, verknüpft mit einer Ansicht einer englischen Galerie, die so nicht zu finden ist. Der Wikipedia-Eintrag verweist auf 2 verschiedene White-Cube-galleries, und da Wikipedia als Teil der umgebenden Welt eine Realität prägt, muss auch dieser Hinweis als Einfluss auf kommende Generationen gleichgesetzt werden. (Sibirien-Projekt von Lukas Pusch)


Der Berghain nachts

In den meisten Teilen der Welt ist eine isolierte Betrachtung von Architektur gar nicht möglich, es existieren immer Aspekte der Zivilisation. Hier dargestellt durch Kondensstreifen als Bewegungsspuren von Lebewesen, die damit Ort und Zeit der Utopie mit der Realität verbinden. In der Wüste als störend am Himmel empfunden, sind sie im Meer der möglichen Geschlechtertürme eher beruhigend.


Dora Maar mit Katze

Neueres Bild von 2012, welches die Situation des Bildes „Les demoiselles d’Avignon“ zwar unbewohnt, aber beleuchtet zeigt, demnach ähnlicher Aspekt der Integration von Strom und Bewohnbarkeit. Beide Titel sind von Picasso ausgeliehen, welcher Dinge abstrahiert hat und sie von dieser Welt weggerückt. Hier hingegen werden im umgekehrte Sinne die von der Welt weggerückten Dinge so real wie möglich herangerückt. Dora Maar ist hier nicht zu sehen, da nur noch die Information in der heutigen Zeit übrig ist, nicht die Person. Tatsächlich weiss kaum ein Mensch über sie etwas, so wie die meisten Strassennamen auf Personen verweisen, welche weitgehend in Vergessenheit geraten sind. Dieses Vergessen verlegt die dargestellte Situation dann in die Zukunft wenngleich die anachronistische Architektur verbleibt.


Erstveröffentlichung dieses Beitrages war 26.1.2013

Probleme mit Galerien

Lustige Anekdoten aus dem Alltag des Bilderverkaufens eines Künstlers

von Stefan Hoenerloh 11.11.2021

Der Kunstmarkt hat so seine typischen Verhaltensweisen und aufgestellten Fallen, welche nie veröffentlicht werden, denn jeder Künstler hat Angst, dass er danach nicht mehr ausgestellt wird, wenn er etwas über die schmutzige Wäsche veröffentlicht.
Nachdem ich nun 35 Jahre mit Galerien zusammengearbeitet habe, kam mir der Gedanke, dies alles mal zusammenzufassen um andere Künstler vorzuwarnen. Denn es wachsen immer neue Künstler heran und gehen ohne Erfahrung an die Kunstwelt heran, wo sie im Haifischbecken stehen. Ich möchte hier nicht auf einzelnen Galerien herumhacken oder gar lamentieren, es laufe nicht so gut, denn es wurde ja ganz gut verkauft. Nein, es geht mir darum, das Künstler richtig bezahlt werden und nicht am Schluss mit 25% dastehen, von denen sie dann die Materialkosten und die Steuer bezahlen müssen. Denn ohne Künstler wäre die Welt ärmer, ohne Galerien aber wäre sie freier. Man braucht Supermärkte wegen der Kühlung und wegen der Mengenaufteilung, aber braucht man Makler oder Galerien?
Kunstwerke und Häuser werden am Stück verkauft ohne Kühlung, also sind Agenten eigentlich überflüssige Zwischenhändler.
Die Zusammenarbeit mit Galerien ist für Künstler oft schwierig aber alternative Vertriebswege gibt es kaum.
Durch die Coronakrise 2020 waren schlagartig alle Ausstellungen und Messen geschlossen und es kam nun der Zeitpunkt des Innehaltens, wo man mal aus dem eigenen Lebenslauf aussteigen konnte. Alle Kommissionen mal beendet, Hamsterrad steht. Raus aus dem Becken.

Ich begann eine Liste der Galerien und der ehemaligen Zusammenarbeit zu erstellen und kam auf ein erstaunliches Ergebnis: mit 41 Galerien hatte ich zusammengearbeitet und jede Galerie hatte durchschnittlich 9 Bilder verkauft, manchmal nur eines und manchmal sehr viele; je nachdem wie lange die Zusammenarbeit war und an wievielen Messen teilgenommen wurde.
Da es ca 300 Ausstellungen waren, ist also pro Ausstellung etwa 1,23 Bilder verkauft worden.
Man könnte also sagen, die Zusammenarbeit war sehr erfolgreich, aber was die Bilderkäufer nicht wissen, ist was hinter den Kulissen abgeht.

Mit 10 Galerien gab es eine erfolgreiche lange Zusammenarbeit,
mit weiteren 6 eine erfolgreiche kurze Zusammenarbeit,
mit weiteren 10 eine erfolglose kurze Zusammenarbeit
und mit weiteren 15 eine erfolgreiche lange Zusammenarbeit mit schweren Geldproblemen bis zum Prozess.

Und genau diese 15 machen einem das Leben als Künstler schwer. Dazu weiter unten ein paar Beispiele.
Da die erfolglose kurze Zusammenarbeit nicht bewertet werden kann, da sie vom Zufall abhängt, kann man hier die erfolgreichen problemlosen langen und kurzen Zusammenarbeiten zusammenaddieren. (16)

Damit steht es in etwa halbe halbe.
Die Wahrscheinlichkeit, als Künstler mit einem Galeristen einen Rechtsstreit beginnen zu müssen oder nicht korrekt bezahlt zu werden ist ca 50%.
Wenn man dies vergleicht mit der Wahrscheinlichkeit, dass ein Privatkunde nicht bezahlt, kommt dabei Erstaunliches zu Tage:
Nur ein einziges schwarzes Schaf gab es in meinem Leben, (0,5%) alle anderen haben sofort überwiesen.
Das bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit, mit einem Galeristen Ärger zu haben, 100 mal höher ist als bei Privatkunden.

Dennoch braucht man die Galerien, denn durch die Erfindung der Kunstmesse hat sich das komplette Geschäft dorthin verlagert. Nun fragt man sich, wer sind denn die Schmarotzer- die Galerien und Makler oder die Kunstmessenveranstalter? Fakt ist: gäbe es keine Messen, würde in den Galerien mehr los sein und die Galeristen würden ausreichend Geld verdienen.
Nun kann man die Messen nicht mehr wegdenken und auch die horrenden Galerieprozente sind inzwischen Usus.
In den 80ern fing es mit 30% an, dann war es lange Zeit 50% und seit der Umstellung der Mehrwertsteuer 2019 muss der Künstler 55% abgeben, obgleich dies nicht im Sinne der Gesetzesänderung war. Eigentlich sollte nur der Galerist 19% abgeben und der Künstler weiterhin 7%, aber die Damen und Herren Galeristen machten daraus ca 13% für beide Teile durch die Erfindung, dass Netto durch 2 geteilt wird. So macht das alles keinen Sinn mehr. Auf Provisionsbasis zu arbeiten statt auf Kommissionbasis wäre die Lösung, aber dann wird die heilige Kuh des Galeristen geschlachtet: der Künstler bekommt den Namen des Käufers mit. Und dies darf er nicht- es wird allgemein geheimgehalten.

Mir selbst fehlen hunderte von Namen.
Keine Ahnung wo die Bilder sind.

Aus diesem Grund macht das Verkaufen in Deutschland keinen Sinn mehr. Ausland ist davon unabhängig, da andere Mehrwertsteuer.
Wenn es keine Galeristen gäbe, würde sich eine neue Form des Kunsthandels automatisch entwickeln, denn der Druck, Kunst zu kaufen ist immer da.
Aber man darf dabei den Bluechips-markt nicht vergessen, die gehypten Künstler der Versteigerungen.
Dort sind Galerien natürlich unerlässlich, aber das ist alles Geldanlage, kein Kunstinteresse.
Bei Christies werden Künstler über Strohmänner/frauen blitzschnell nach oben über 2 Ecken versteigert, so kann man aus Bildern, welche man vorher günstig vom Künstler erworben hat, schnell das Zehnfache herausholen. Dies ist ein altbekanntes Verfahren, dass ich auch nicht kritisieren möchte, die können das ruhig unter sich ausmachen. Ob für ein NFT Millionen gezahlt werden oder nicht, ist für 99% der Kunstwelt völlig irrelevant. Das ist reine Geldanlage.

Nein, es soll hier um die schmutzige Wäsche gehen im mittleren Segment des Kunsthandels, wo „normale“ Künstler versuchen, zu überleben. Galeristen werden im Text als „Der Galerist“ benannt, es kann sich aber auch um Frauen handeln. (ca 50%)
Um die Fälle zu anonymisieren, wird hier auf den Begriff Galerist vereinheitlicht.

Hauptproblem Nr 1: der Galerist hat keine finanzielle Rücklage, sondern bezahlt die nächste Messe mit Geld, was er noch nicht eingenommen hat.
Diese 15 Galerien hatten alle das selbe Problem: sie bekommen das Geld vom Kunden zuerst und geben es erst nach Monaten oder Jahren an den Künstler weiter. So geschehen in Frankfurt, wo eine Galerie mich solange auf einem Rechnungsbetrag hat sitzen lassen, bis nach der 2. Mahnung der Offenbarungseid anstand. Dort sind sie nicht erschienen und ich wollte sie auf ihrer nächsten Vernissage verhaften lassen, da dies die Vorgehensweise war, die mein Anwalt mit riet. Der Gerichtvollzieher war bestellt und oh Wunder: 12 Stunden vor dem Termin war das geschuldete Geld nebst Zinsen auf meinem Konto. Die Galerie wusste, dass dadurch am meisten Zeit gewonnen werden würde.
Das mich das 3 Jahre Nerven gekostet hat und man so nicht künstlerisch arbeiten kann, ist denen egal. Es gibt sie immer noch.

Eine andere Galerie in Berlin hatte mich ebenfalls 3 Jahre mit Ratenzahlungen vertröstet und kaum etwas kam rüber, er finanzierte immer alles über neue Verkäufe aus Kommissionen wobei die alten noch nicht bezahlt waren. Weitere Probleme gab es auch: er hat immer sehr spät darüber informiert, dass ein Bild verkauft war. Wenn man dann nachfragte, war das Bild gerade eben verkauft worden, immer „zufällig“ genau dann, als man es wieder abholen wollte. Dadurch hatte er immer die Kommissionsfristen erheblich verlängert und man hatte keine Planungssicherheit.

Bei anderen Bildern wurde ein Verkauf simuliert, um es länger in Kommission zu behalten. Bei Rücktransporten hiess es dann regelmässig: wir müssen mal im Lager schauen, ist gerade in unserer Filiale, können Sie später nochmal anrufen, der Mitarbeiter ist gerade im Urlaub, ist gerade reserviert und dann wurde die letzte Reservierung später doch plötzlich zurückgezogen.

Ehrlichkeit braucht man von dieser Hälfte der Galerien generell nicht zu erwarten, sie lügen, dass sich die Balken biegen und interessieren sich wirklich nicht für den Inhalt des dargestellten, sondern nur, wie man es verkaufen kann. Die andere Hälfte ist noch nicht so weit, die sind noch jünger.

Es gibt den simulierten angeblichen Ratenzahler und das ausstehende Geld wird nur langsam überwiesen. Wenn man dann zufällig den Kunden vor Ende der Gesamtzahlung kennenlernt, wird man festellen, dass er schon längst alles überwiesen hat – öfters vorgekommen. Der daraufhin angesprochene Galerist macht dann meist eine Sprechpause und antwortet geschult: ja der Kunde hat gerade die letzten Raten alle auf einmal überwiesen. Das Geld kommt dann trotzdem erst mit Verzögerung mit dem Hinweis: ach, das hat die Buchhaltung noch nicht veranlasst.
Verträge helfen gegen diese Verzögerungen nicht, man kann nie beweisen, wann ein Bild verkauft wurde. Aber vorteilig ist es dennoch, durch die Verträge kann man beweisen, welche Bilder in Kommission sind und gewinnt regelmässig die Mahnverfahren.

Hauptproblem Nr 2: die angebliche Preisreduktion. Welche Reduktion tatsächlich gelaufen ist, erfährt man nie, ausser, man nimmt Kontakt mit den Käufern auf. Meist kommen die Käufer nach Jahren selbst auf einen zu und man kann fragen. Oft fing der Galerist mit einem Fantasiepreis an, geht runter und fragt dann den Künstler, ob man auch 10-20% runtergeht. Er selbst ist dann gar nicht runtergegangen.
Aber es gibt auch eine andere Verhandlungsfalle, oft in Italien vorgekommen: der Kunde möchte 20% Nachlass, wenn er 4 Bilder nimmt, kauft dann aber nur eines mit 20% Nachlass und verschwindet. In diesem Fall ist der Galerist übertölpelt worden. Man muss darauf bestehen, dass der Nachlass erst am Schluss gegeben wird (bei Bild Nr 4).

Hauptproblem Nr 3: der Galerist macht eine falsche Währungsumrechnung und behält der Mehrerlös für sich ein, ohne korrekt abzurechnen.
Bei Messen im Nicht-Euroraum gibt es oft falsche, überhöhte Preisangaben und der Galerist rechnet nur den Betrag der deutschen Einlieferungsliste ab. Den Mehrertrag behält er, ganz klar. Es gab noch NIE einen Galeristen, der mehr abgerechnet hat, als vereinbart.
Günstig ist, wenn man Bekannte auf den Messen hat, die die Preisschilder fotografieren und einem das zusenden, denn man kann ja nicht auf alle Messen selbst hinfahren. Es gibt sogar Messen, von denen man garnichts weiss, der Galerist verleiht die Bilder einer befreundeten Galerie und man erfährt durch Artikel, dass man irgendwo auf der Welt ausstellt. Der Galerist verbucht dies dann als Eigenerfolg, aber in Wirklichkeit hat eine andere Galerie ausgestellt.

Hauptproblem Nr 4: Bilder verschwinden komplett bei Transporten, so geschehen allein 4 mal. Man darf Bilder nie von einer Galerie zur nächsten senden, sondern immer zuerst ins Atelier zurück. Das erhöht zwar die Transportkosten, aber man hat dann alles unter Kontrolle durch die Einlieferungsliste. Jeder muss unterschreiben. Es kam vor, dass 7 Bilder von Berlin über Frankfurt nach München zurück nach Berlin gingen und es kamen nur 5 zurück. Jede Galerie hat die fehlenden Bilder der anderen Galerie in die Schuhe geschoben. Die Bilder sind bis heute unauffindbar.
Eine andere grosse Galerie in den Niederlanden, welche sogar selbst eine Kunstmesse veranstaltet hat, wodurch grosses Vertrauen erst mal da war, hat die zu unterschreibende Einlieferungsliste nicht zurückgesendet. Monatelang. Irgendwann kam dann ein Fax und ein Bild fehlte auf der von mir geschriebenen Liste. Es war einfach ein weisser Fleck im Dokument, Nr 1,2,3, 5,6,7. Anstelle der 4 war ein weisser Streifen. Der Galerist behauptet, er wisse nichts von diesem Bild. Nur konnte ich aufgrund der email-dokumentation unserer vorherigen Kommunikation beweisen, dass das Bild dort angekommen war. Er lenkte ein und unterschrieb. Es war die letzte Ausstellung dort naturgemäss. Ich muss ihm unterstellen, dass er das Bild stehlen wollte, es gibt keine andere Deutung.
Dann gab es noch einen anderen Trick einer Galerie: man liefert Bilder und dazu passende Vorzeichnungen ab, nachher sind die Zeichnungen weg und auf Nachfrage, wo sie trotz Einlieferungsliste verschwunden sind heisst es: die wurden dem Bilderkäufer kostenlos dazugegeben. Ohne Nachfrage.
So passiert bei einer Düsseldorfer Galerie und in Berlin, also kein Einzelfall. Man könnte sagen, naja, der tausender ist mir nicht so wichtig, aber wenn dann die Zeichnung Jahre später für das doppelte irgendwo versteigert wird, ist man doch verärgert.

Hauptproblem Nr 5: der Galerist bezahlt nur 33% mit dem Hinweis, die Bilder seien an einen Kollegen weiterverkauft worden und unter Galeristen gelte eine Drittelregelung; „wussten Sie das nicht ?“. Wenn man auf 50% besteht, kommt der Angriff, man wolle ja weiter zusammenarbeiten.
Es ist natürlich günstig, auf der Einlieferungsliste sich die 50% unterschreiben zu lassen, aber manche Galerien habens faustdick hinter den Ohren: sie erkunden, was einen als Künstler interessiert und versprechen, genau dies zu erreichen, zb ein Ausstellung in London oder NYC.
Wenn man dann auf sein Geld bei einem Verkauf besteht, drohen sie die Zusammenarbeit abzubrechen. Man lenkt dann ein, stellt aber später fest, dass gar keine Zusammenarbeit mit London und NYC möglich war. Reine Erfindung.
Dieselbe Galerie hatte in den 90ern eine komplette Ausstellung mit Werken eines bekannten Künstlers veranstaltet, welche ihm vorher aufgrund fehlender korrekter Einlieferungslisten von dieser Galerie entwendet wurden. Er hat die ganze Ausstellung mit Gerichtsvollzieher beschlagnahmen lassen, zunächst erfolgreich, aber später hatte er vor Gericht verloren. Er konnte nicht beweisen, dass die Bilder noch in seinem Besitz waren.
Diese Galerie hatte mehreren Künstlern nur 25% ausbezahlt, ebenfalls ein Unding. Da ich 6 dieser Künstler persönlich kenne, gehe ich davon aus, dass eigentlich alle Künstler richtig Ärger mit der Galerie hatten. Und diese Galerie ist immer noch geöffnet, auch 2021.

Im Regelfall ist der Galerist immer ein Charakter, der sich als Finanzgenie probiert, er hätte genauso an die Börse gehen können oder Makler werden.
Galeristen geht es immer um Macht, Ansehen, eine verkorkste eigene Künstlerkarriere und um Geld. Die Bedeutung der Kunstwerke interessiert den Galeristen nie, er simuliert das nur. Texte über das Kunstwerk lernt er auswendig und schmückt sich mit Kuratoren oder Rednern.
Ein bedeutsames Beipiel veranschaulicht dies: in den 90er Jahren hatte ein befreundeter Künstler eine rein museale Ausstellung in einer leerstehenden Fabrik in Köln zeitgleich zur Art Cologne organisiert. Es wurden ca 30 Künstler gezeigt und das ganze stiess auf mediales Interesse und hatte einen gewaltigen Zustrom an Publikum. Nach der Ausstellung erhielt er einen Brief der Art Cologne-Veranstalter, dass er dies in Zukunft zu unterlassen hätte, sonst würden sie ihn verklagen. Das obere Drittel des Briefkopfs bestand aus einem engbedruckten Text aus Adressen verschiedener Anwälte der Art Cologne, welche diesen Brief zusammen verfasst hatten. Die Drohung war unmisverständlich, ich habe den Brief selbst gesehen.
Dabei ging es nicht um Geld direkt, es war ja ein musealer Artist-space, aber die Aufmerksamkeit der Presse war magnetisch angezogen.
Und das war der Art Cologne zuviel. Es geht also um Einfluss.

Nebenproblem Nr 6: die Verpackungen werden beim Rücktransport reduziert, die Bilder kommen mit Beschädigungen zurück.
Öfters kommt es vor, dass doppelt eingepackte Bilder in einfacher Folie zurückkommen, von Fingerabdrücken soll hier gar nicht die Rede sein.
Der Galerist benutzt die Folie woanders um Geld zu sparen. Aber nur bei doppelten Folien kann man Schäden eher ausschliessen. Es hat sich als günstig erwiesen, ein auffälliges eigenes Klebeband herstellen zu lassen, damit der Galerist nicht alles weiterverwendet. Seitdem kommen die Transportverpackungen heil zurück und auch die Speditionen verlieren nicht soviele Bilder beim Umladen. Man sieht das Klebeband auch im Halbdunkel im Lastwagen gut.
Man muss natürlich unbedingt auf der Einlieferungsliste die Verwendung der zweifachen Folie zwingend unterschreiben lassen.
Natürlich hilft dies alles nicht gegen die Holzkiste, wo der Gabelstapler durchpiekt, dies ist bereits 2mal vorgekommen, da kann man dann gar nichts mehr dazu sagen, wenn im Bild ein riesiges Loch ist. Beide Male war es ein Holzproblem- der Galerist hatte eine Kiste versendet, wo die Deckplatte aus 2 Tafeln zusammengesetzt war statt aus einer Platte. Man hat gespart- mit fatalen Folgen.

Und dann gibt es natürlich noch den Klassiker, dass der Galerist einen Vertrag machen möchte. Für immer und alles auf Lebenszeit.
Auch wenn ich meine Unterhose verkaufe. Die meisten Angebote für diesen Ausschliesslichkeitsvertrag waren so formuliert, dass es mich in völlige Abhängigkeit geführt hätte, ich habe also nicht unterschrieben. Ein Angebot, welches man annehmen kann, ist mit einer monatlichen Zahlung verbunden, dann ist das in Ordnung. Dann tut der Galerist auch was, ansonsten legt er sich auf die faule Haut.
Ausschliesslichkeitsverträge ohne monatliche Unterstützung mit 50/50 sind völlig sinnlos- davon hat der Künstler ja gar nichts.
Am besten man macht einen eigenen Vertrag selber in der Einlieferungsliste versteckt und nur für die Dauer von 3 Monaten.
Sonst kommt man in ein Riesenproblem: wenn ein Privatkunde ein Bild auf der Art Cologne, auf der London Art Fair und in Miami gesehen hat, welchem Galeristen soll ich denn nun Prozente bezahlen, es gab ja 3. Zumal, wenn dies länger her ist, fühle ich mich da nicht gebunden.
Galeristen kommen auch und gehen, das ist bedeutungslos. Die meisten können am Anfang ganz gut verkaufen, dann tritt die Phase der Sättigung ein, da ihr gesamter Kundenstamm schon ein Bild hat. Lange Verträge sind dadurch erfolglos.
Am ehesten lässt es sich noch ganz gut bei den „Steuersparmodellen“ ausstellen, denen ist egal wieviel Geld sie verlieren. Dies sind in etwa ein Viertel der Galerien, man verkauft dort nichts, hat aber schöne Ausstellungen und sogar Messen. Meist ist der Galerist mit jemanden verheiratet, welcher deutlich mehr Geld verdient. Das Ganze hat nur steuerliche Gründe. Erfahren kann man diese Hintergründe recht gut bei den Speditionen, die haben offene Ohren und bekommen das alles mit. Dann weiss man, ob diese Konstellation vorliegt.

Und nun schluss mit der schmutzigen Wäsche, ein Nachwort noch zu Museen: dort ist alles anders.
Sämtliche Zusammenarbeiten mit Museen waren korrekt, problemlos und erfolgreich.

Aber leider gibts eben zuwenig davon.