Berliner Bauakademie 2013

Die letzten Arbeiten von 2013 für das Ausstellungsprojekt Berliner Bauakademie im April 2013 auf dem Schinkelplatz 1 in Berlin gegenüber dem Schloss, es ist geplant dort im „Roten Saal“, dem innen liegenden Musterraum ca 20 Werke zu zeigen. Einige Bilder sind vorab hier schon zu sehen. Dieser Musterraum wird im Laufe des Jahres wahrscheinlich durch eine gigantische Baugrube ersetzt, um den Wiederaufbau der Bauakademie zu starten. Somit wird es eine der wenigen Ausstellungen an diesem Ort sein, wo das Mustergebäude seit nunmehr 8 Jahren auf den Wiederaufbau wartet. Zwischen den Gerüststangen des Planengebäudes wachsen schon Robinien, ein Spontanbewuchs der für Berlin typisch ist.

Möglich gemacht wird diese Ausstellung durch die Firma AF-Fix ADXXL Potsdam, welche auch den Planendruck übernimmt.

Die Arbeiten versuchen, ein wenig eine Brücke zwischen der Historie des Ortes, der transzendierten Präsenz Karl Friedrich Schinkels, und der heutigen, durch die letzten Umwälzungen ständig im Aufgeschobenen befindlichen Berlin-Architektur zu schaffen; denn die interessantesten Bilder von Berlin waren und sind ja nicht die fertigen Architekturen, sondern die Zwischenstadien; das im Werden befindliche.
Die Architektur des Zufälligen, Sinnfreien und Merkwürdigen ist gerade das, was diese Stadt anziehend macht. Es sei gewarnt: in dem Moment, wo die Stadt fertig ist, wird sie uninteressant.
Aber ausserhalb der Architektur geht es natürlich um die Zeitfrage und des weiteren um die Informationsfrage, ob die gealterte Oberfläche nicht die informationsreichere als die renovierte ist. So wird der Versuch gemacht, durch ein Grossplakat genau dieses Antagonistenpaar an einem Ort darzustellen, welcher in 20 Jahren möglicherweise zu aufgeräumt aussieht.

Information in einer vielgestaltigen Oberfläche ist genau genommen der höherstehende Zustand der Zivilisation, wenn man die Quantität der Information als Gradmesser einer hochstehenden Kultur begreift. Die Bibliothek von Athen hatte 64000 Bände, die British Library gewiss mehr; so könnte man als Analogie behaupten, die vielfarbigen Flächen eines alten Hauses in Rom Trastevere haben eine grössere Gesamtinformation als eine glattverputzte Fläche. Die Unordnung ist demnach nicht nur Unsortiertheit, sondern auch Vielschichtigkeit, was in der Unordnung eines Regenwaldes ersichtlich wird. Die Artenvielfalt ist im Regenwald am grössten, so ist auch die Gedankenvielfalt im Ungeordneten am grössten. Ein nicht zu hundert Prozent geplanter Bau, sondern eine natürlich gewachsene kleinteilige Struktur ist unter Umständen die zivilisatorisch komplexere.

Mit dem Manierismus eklektizistischer Formen wird ein Teilbereich der Postmoderne über den Punkt hinausgeführt, ein Nebeneinander von zitierten Stilen zu bilden. Ausgehend von der Definition der „Doppelkodierung“ als entscheidendes Charakteristikum postmoderner Bauten, in der durch eine Kombination aus historisierenden und modernen Formen, regionalen und internationalen Bezügen unterschiedliche Benutzerschichten angesprochen werden sollten, werden hier wieder theoretisch homogenere Idealbilder zitiert. Für J.-F. Lyotard, der das Thema 1979 philosophisch ausarbeitete (1982 dt. „Das postmoderne Wissen“), beschreibt Postmoderne einen geistigen Zustand der Gegenwart nach dem Scheitern der großen Utopien. Hier hingegen ist unausgesprochen eine ehemalige, scheinbar aus der Vormoderne kommende Utopie als Kulisse vorausgesetzt. Dieses Architekturcapriccio verweist somit auf die Gleichzeitigkeit bestimmter pseudohistorischer Ereignisse, die eine Hinterfragung ihrer stilistischen Herkunft darstellen, da sie Anachronismen beinhalten. Es gibt zeitliche Widersprüche in den Arbeiten, die auf eine Realität jenseits der Utopien hinweist, aber dennoch eine scheinbare Ideale Stadt als Ausgangspunkt nehmen.

Die Unbeantwortbarkeit der Frage nach der Kausalität bestimmter architektonischer Hinterlassenschaften mündet somit in die Forderung Adornos in der „Ästhetischen Theorie“, dass das Kunstwerk immer Rätsel produziert, die es nicht auflöst: „Die Unbestimmtheitszone zwischen dem Unerreichbaren und dem Realisierten macht ihr Rätsel aus.“

Die Vertauschung von Innen- und Außenraum, die Schaffung des Gefühls der Temperatur, die Isoliertheit der Darstellung durch das Fehlen aller beweglicher Dinge und die Antagonistenpaare homogene und heterogene Oberflächen, Ruhe der Architektur und Bewegung der Perspektive, Angst einflössende dunkle Ecken und belichtete Inseln der Ruhe, erzeugen einerseits einen starken perspektivischen Sog. Andererseits wird durch die eher in Grisaille gehaltene Einheitlichkeit eine Reduzierung
auf die Begriffspaare Fiktion und Realität, Erinnerung und Gegenwart sowie Leben und Tod erreicht.

Ein weiteres Thema der Arbeiten kommt aus der ästhetischen Raumtheorie, die sich ja nicht mehr nur mit Fassade und Innenraum beschäftigt, also dem reinen Außen und Innen der klassischen Architekturtheorie, sondern verstärkt mit der Wahrnehmung von Atmosphären. Zur Atmosphäre gehört eben auch die Positionierung im Stadtraum, das Licht, die Beziehung zu anderen Formen in der Umgebung, die durch Schatten und Spiegelungen in Fenstern angedeutet werden.
Die teilweise melancholischen, isolierten, bedrohlichen und manchmal auch romantischen Stimmungen oder Atmosphären knüpfen an die Ideen der Moderne an – mit der gleichzeitigen Forderung, ein Projekt der Symbiose der Zeitalter weiterzuführen.

Schinkelplatz1

KowloonWalledCity

Lawrence-Weischer-Avenue

Many coloured objects placed side by side

Dekonstruktion mit Kohaerenz

blackhole-90°

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2 Gedanken zu “Berliner Bauakademie 2013

  1. Hallo Stefan, ich bin gespannt auf die wahrscheinlich großartige Exhibition in dieser Umgebung. Vielleicht lohnt es sich, auch dort ein oder zwei Panoramen zu machen…

    Wrägl

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